Teilzeit im Fokus: Unsere Interviewserie über Arbeitsrealitäten
Inhalt
Arbeit ist wichtig – aber sie ist nicht alles. Immer mehr Menschen suchen bewusst nach Arbeitsmodellen, die ihnen Raum geben für Familie, Engagement und private Leidenschaften.
Genau darüber sprechen wir in unserer Interviewserie. Wir stellen drei Fragen zu Teilzeit – zu Beweggründen, Erfahrungen und Wünschen.
Ursprünglich haben wir die Interviews als Beiträge auf LinkedIn veröffentlicht. Die Antworten empfanden wir als so interessant und wertvoll, dass wir Ihnen einen dauerhaften Platz auf unserer Website schaffen mussten.
Virginia Thrun

Virginia Thrun eröffnet mit Ocean’s Million und Mom Hunting neue Perspektiven für Karrieren in flexiblen Arbeitsmodellen.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Aus meiner Sicht ist Teilzeit gleichzusetzen mit „Belonging“, denn durch Teilzeit-Modelle wird Menschen, die aufgrund ihrer Lebensrealitäten nicht in klassischer Vollzeit arbeiten können (oder wollen!), die Möglichkeit gegeben, einen aktiven Part im Einklang mit ihren Stärken in die Arbeitswelt einzubringen.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Ich war vor vielen Jahren (noch zu meiner Konzernzeit) zunächst Führungskraft eines fast reinen TZ-Teams (in einem sonst Vollzeit & 100% Präsenz orientierten Bereich), was viele unterschiedliche Spannungsfelder mit sich gebracht hat.
Nach meiner ersten Elternzeit bin ich dann in meine alte Führungsrolle mit 60% wieder eingestiegen.
Somit habe ich die Vielschichtigkeit dieses Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven selbst erleben dürfen. Und ich habe ein komplett neues Level an Priorisierung und Effizienz kennenlernen dürfen.
Mein Fazit ist somit sehr positiv – sofern die Rahmenbedingungen darauf ausgelegt sind.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Anschließend an die Rahmenbedingungen wäre genau das mein Wunsch: Dass noch mehr Unternehmen verstehen, wie sie ihre Attraction und Retention Probleme mit Vereinbarkeitsfreundlichkeit und Flexibilität (zeitlich und örtlich) lösen können und gleichzeitig auf einen komplett unerschlossenen, höchst attraktiven Talent Pool zugreifen können.
Wenn wir die besten Talente für Jobs wollen, müssen wir uns öffnen für deren Lebensrealitäten (und nicht an 100% Präsenzmodellen mit uneingeschränkter Verfügbarkeit festhalten). Im Vorteil sind die Unternehmen, die unterschiedliche Modelle anbieten und verstanden haben, dass Vereinbarkeit ein riesiger Wettbewerbsvorteil ist.
Smaro Sidero

Smaro Sidero ist Anwältin für modernes Arbeitsrecht.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Teilzeit ist für mich das Arbeitsmodell der Zukunft, da es den Bedürfnissen der Menschen entgegenkommt und enorme Potenziale hebt.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Persönlich habe ich sehr gute Erfahrung mit einer Teilzeit von 80 % gemacht, die mir eine deutliche Verbesserung meiner Work-Life-Balance als mein Sohn kleiner war ermöglicht hat.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Anerkennung als vollwertiges, gleichberechtigtes Arbeitsmodell, gerade auch in Führungspositionen und damit einhergehend auch eine leistungsrechte Vergütung.
Franziska Büschelberger

Franziska Büschelberger hat die fiktive Arbeitgeberin und Bildungseinrichtung Unpaid Care Work ins Leben gerufen habe, damit wir unsere unbezahlte Leistung auf beruflicher Ebene sichtbar machen können.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Alleinerziehend, ohne jegliche Unterstützung, war ich über viele Jahre in Teilzeit erwerbstätig.
In Vollzeit wäre es mir nicht möglich gewesen, meinen zwei Kindern ein geborgenes und stabiles zu Hause zu geben und -meinen Werten entsprechend- auf ein selbstbestimmtes und selbstwirksames Leben vorzubereiten.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Ich hatte eine 4-Tage-Woche und somit statt nur zwei Wochenendtagen, drei zusammenhängende freie Tage – die ich ausschließlich meinen Kindern und unserem Haushalt gewidmet habe. Für meine Arbeitgeber fehlte ich einen Tag aber ich weiß, dass ich für fünf volle Tage geleistet habe.
Vor allem Mütter in Teilzeit leisten Vollzeitarbeit und erhalten Teilzeitgeld … um sich anschließend einem zweiten aber unbezahlten Vollzeitjob zuzuwenden: ihrer Familie.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir, dass wir unsere Zeit nicht in Teilen denken, sondern als ganzes Leben begreifen. Teilzeit darf nicht länger den Eindruck vermitteln, dass Menschen weniger leisten. Gesellschaftlich und wirtschaftlich relevante Arbeit -ob bezahlt oder unbezahlt- ist immer ein Leistungsbeitrag.
Wir alle haben EINE Lebenszeit. Die einen verbringen mehr davon in Erwerbstätigkeit, die anderen in Sorgearbeit oder in beidem.
Ich wünsche mir, dass wir diese Aufteilung nicht gegeneinander werten, sondern die Leistungen als gleichwertig anerkennen – denn nur das macht unsere Gesellschaft tragfähig.
Svenja Christen

Svenja Christen ist die Gründerin von the jobsharing hub und PairToShare.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Vor rund zehn Jahren haben mein Partner Yannic und ich jeweils, also parallel im Jobsharing gearbeitet. Für uns beide war das ein echter Gamechanger: Wir konnten Verantwortung im Job tragen und gleichzeitig ein erfülltes Familienleben führen, ohne das Gefühl, dass irgendwo etwas liegenbleibt.
Diese Erfahrung hat uns so begeistert, dass wir gemeinsam das Jobsharing Hub gegründet haben. Heute unterstützen wir damit Unternehmen und Tandems dabei, Jobsharing erfolgreich umzusetzen. Mit PairToShare, unserer Recruiting und Matching-Plattform, gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir bringen Menschen zusammen, die Verantwortung teilen und gleichzeitig Raum für’s Leben haben möchten.
Denn für uns gilt: Verantwortung übernehmen sollte keine Frage der Arbeitszeit sein.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Wir erleben jeden Tag Menschen, die unglaublich qualifiziert sind, voller Leidenschaft für ihren Job – und trotzdem aus dem Raster fallen, weil sie nicht in Vollzeit arbeiten können oder wollen. Viel zu oft bedeutet Teilzeit in Deutschland immer noch: weniger Verantwortung, schlechtere Jobs, Ressentiments.
Für uns ist das schlicht nicht akzeptabel. Deshalb setzen wir uns mit voller Überzeugung für Jobsharing ein: ein Modell, das Menschen ermöglicht, in Teilzeit hochgradig kollaborativ mit einem/einer TandempartnerIn zu arbeiten – mit vielen zusätzlichen Vorteilen für Teams, Unternehmen und die gesamte Organisation.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Zum Wünschen treten wir nicht an – sondern wir fordern, belegen und setzen uns mit vollem Herzen dafür ein, dass Unternehmen agiler in Ihrem Personaleinsatz werden – durch umsetzbare, flexible Arbeitszeitmodelle. Diese Flexibilität schafft Robustheit, insbesondere in Krisen.
Wir haben keine Zeit mehr für starre Denkmuster und dem Klammern an alten Biografielogiken und erneut nur auf die „work hard play hard“ ArbeitnehmerInnen zu setzen. Und neben den klaren wirtschaftlichen Vorteilen ist es auch schlichtweg moralisch geboten. Es ist verantwortungslos, sich wie ein Fähnchen im Wind nach aktuellen politischen Playern auszurichten und u.a. Teilzeitangebote herunterzufahren. Und ich sehe klar im Markt: Das tun auch nicht alle Unternehmen. Das wird für sie bald von großem Vorteil sein.
Ein wirklicher Wunsch und gleichzeitig Appell ist aber auch: Liebe Männer, geht eurem Teilzeitwunsch nach, wenn ihr ihn habt und setzt euch dafür ein, auch wenn es unbequem wird! Grundsätzlich wünsche ich mir mehr innerpartnerschaftliche Auseinandersetzung darüber, wer wie wann in Voll- oder Teilzeit arbeitet, oft lohnt es sich mittel- und langfristig, einen vermeintlich „unklassischen“ Weg zu gehen.
Nicole Beste-Fopma

Nicole Beste-Fopma ist Expertin für Vereinbarkeit und arbeitet als Autorin, Journalistin, Moderatorin, Vortragsrednerin, Herausgeberin, Trainerin und Coach.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Für mich persönlich spielt sie keine Rolle. Ich war, als ich noch alleinerziehende Mutter war, immer in Vollzeit erwerbstätig. Später als Selbstständige dann auch mehr oder weniger, denn ich würde behaupten, dass ich mit den Stunden – auch denen an Wochenenden – in etwa auf eine Vollzeitstelle kam.
Aber ehrlich gesagt, finde ich es immer „schräger“ in Vollzeit oder Teilzeit zu denken. Wir wissen doch schon längst, dass wir – zumindest die Wissensarbeiter:innen unter uns – auch dann arbeiten, wenn wir nicht am Schreibtisch sitzen. Ideen kommen unter der Dusche oder (wie bei mir) beim Stricken oder Joggen.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Persönlich keine, aber ich beschäftige mich schon seit Jahren unter anderem mit dem Thema. Meine Erfahrung ist: Teilzeit hat ein Imageproblem! Das müssen wir ändern.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir, dass die Stigmatisierung endlich aufhört. Wer in Vollzeit arbeitet, leistet nicht unbedingt mehr. Studien dazu gibt es mehr als genug.
Ich wünsche mir auch, dass endlich verstanden wird, dass man auch in Teilzeit führen kann. Dass man sich Führung so aufteilen kann, dass zwei Personen jeweils in Teilzeit gemeinsam eine Stelle teilen. Stichwort: Top-Sharing.
Ich wünsche mir aber auch, dass die Unternehmen verstehen, dass man auch in Teilzeit anspruchsvolle Jobs machen kann. Denn Teilzeit heißt nicht automatisch weniger qualifiziert. Es heißt lediglich, weniger Zeit. Aber siehe meinen ersten Wunsch.
Und last but not least wünsche ich mir, dass die Unternehmen aufhören in Headcounts zu rechnen. Ja, zwei Köpfe kosten mehr als einer, ABER so zu rechnen ist schlichtweg falsch. Die Vorteile überwiegen diesen einen Nachteil.
Anika Schmidt

Anika Schmidt ist Mitgründerin von UPYU by FreeMOM und treibt neue Lösungen für flexible Karrierewege voran.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Teilzeit macht Erwerbsarbeit für viele überhaupt erst möglich und verhindert, dass Potenziale verloren gehen. Wenn wir Teilzeit endlich als „Mutti-Thema“ entstigmatisieren, gewinnen nicht nur Familien, sondern auch unsere Wirtschaft.
Aber für mich ist Teilzeit nicht die alleinige Lösung – den größeren Hebel sehe ich in Flexibilität und Zeitsouveränität, denn das nimmt Stress, schafft mehr Räume, sich noch aktiver am Arbeitsmarkt einzubringen.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Ich sehe das immer wieder: Nach der Elternzeit wollen viele in spannende und auch anspruchsvolle Jobs zurück, aber in Teilzeit gibt’s zu wenig echte Angebote. Unternehmen verharren hier oft in ihren starren Konzepten und Vorstellungen von Präsenz=Leistung.
Das haben meine Co-Founderin und ich selbst erlebt. Genau das war dann für uns auch der Grund, warum wir damals FreeMOM gegründet haben, um mit Freelancing als Ansatz neue Lösungswege anzubieten, Perspektiven aufzuzeigen und die Karriere in die Hand zu nehmen.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir, dass wir Leistung nicht länger mit Anwesenheit verwechseln und Unternehmen den Mut haben, alte Strukturen aufzubrechen.
Was wirklich zählt, sind Ideen, Ergebnisse und die Energie, die Menschen einbringen können. Denn nur so schaffen wir eine Arbeitswelt, die für alle funktioniert.
Sarah Drücker

Sarah Drücker ist ist Expertin für Vereinbarkeit und Mitgestalterin moderner Arbeitswelten.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Teilzeit ist für mich kein „halber Job“, sondern ein starkes Instrument der Vereinbarkeit. Sie gibt Menschen die Möglichkeit, in verschiedenen Lebensphasen ihr Berufs- und Privatleben flexibel zu gestalten – ob für Familie, Pflege, Weiterbildung oder einfach für mehr Gesundheit. Richtig gedacht, ist Teilzeit ein Gewinn für Unternehmen UND Mitarbeitende.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Ich habe erlebt, dass Teilzeit oft unterschätzt wird. Viele bringen sie automatisch mit „Karriereknick“ oder „Mama-Thema“ in Verbindung. In Wahrheit eröffnet Teilzeitmodelle neue Wege – etwa durch Jobsharing oder Führung in Teilzeit. In meinen Projekten sehe ich immer wieder: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, entsteht mehr Produktivität, Motivation und Zufriedenheit.
Was wünschst du dir in Bezug auf das Thema?
Mein Wunsch: Teilzeit endlich entstigmatisieren. Statt in Schubladen zu denken, sollten wir Arbeitszeitmodelle so flexibel machen, dass sie zum Leben passen – nicht umgekehrt. Wenn Teilzeit als selbstverständlicher Bestandteil moderner Arbeitswelten gesehen wird, können Unternehmen Fachkräfte sichern und Menschen ihr Potenzial voll entfalten.
Cathy Narriman

Mit ihrer selbst entwickelten Methodensammlung Flipped Job Market und dem Flipperium unterstützen Cathy Narriman und ihre Crew Menschen, auch beruflich das zu tun, was sie „gerne“ machen.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Mein Mann war der Erste in Deutschland, der nach Einführung des Elterngeldes ein ganzes Jahr Elternzeit genommen hat, damit ich in Teilzeit weiterarbeiten konnte. Beim nächsten Kind dann nochmal (sein damaliger Chef verstand die Welt nicht mehr).
Danach sind wir beide als Eltern in Teilzeit gegangen und haben das Geld fair verteilt. Inzwischen arbeiten wir beide mehr, aber flexibel – und immer nach dem GERNE-Prinzip. Teilzeit durfte für keine(n) von uns zur Falle werden.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Erwerbsarbeit ist nur das halbe Leben: Von den hunderten von Leuten, die wir bei Flipped Job Market in ihrer Berufs(neu)orientierung jährlich begleiten, möchte so gut wie niemand Vollzeit erwerbsarbeiten – nur genug zum Leben verdienen.
Und das finde ich richtig. Wir alle brauchen Zeit für die viele andere Arbeit: im Privatleben, für Verantwortung übernehmen in Familie und Nachbarschaft, für Haushalt, Papierkram etc. Aber auch für Freundschaften, für Bildung, Kultur, Hobbies, Gesundheit. Und nicht zuletzt bitte auch dafür, unsere Demokratie mitzugestalten.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ganz klar: Ich plädiere für das Modell „Flexible Lebensarbeitszeit”, wie es auch die Soziologin Jutta Allmendinger vorschlägt: 30-Stunden-Woche für alle. Im Durchschnitt. Auf ein ganzes Berufsleben verteilt. Vor allem, damit Care-Arbeit gerechter verteilt wird und insbesondere Frauen nicht in die Teilzeitfalle geraten. Und ich würde gern was Flippen: Alleinerziehende (= fast nur Mütter) sollten in Teilzeit doppelt so viel verdienen, anstatt nur die Hälfte.
Maren Martschenko

Maren Martschenko ist Markenberaterin, Buchautorin und Gründerin des Magnetprodukt-Klubs.
Welche Rolle spielt Zeit bzw. Teilzeit für dich?
Für mich zählt nicht, wie viele Stunden jemand arbeitet, sondern welche Wirkung dadurch entsteht. Deshalb halte ich den Begriff „Teilzeit“ für irreführend – ich sage lieber „Vollblut“ statt „Vollzeit“.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Je mehr Pausen und Auszeiten ich mir gönne, z.B. um freitags Kühe zu malen, desto erfolgreicher bin ich. Meine 32-Stunden-Woche in klaren Blöcken zeigt: Qualität wächst aus Fokus und Energie, nicht aus Dauerpräsenz.
Was wünschst du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir, dass wir Arbeit nicht länger in „Teilzeit“ und „Vollzeit“ einteilen. Entscheidend ist, was durch die Zusammenarbeit möglich wird – nicht, wie lange jemand am Schreibtisch sitzt.
Madeleine Kern

Madeleine Kern arbeitet selbstständig in ihrer eigenen Personalmarketing-Agentur und kennt die Realität von Teilzeit sowohl aus ihrer Selbstständigkeit als auch aus ihrer früheren Angestelltentätigkeit.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Ich selbst arbeite als Selbstständige gefühlt „irgendwie“. Aber eben auch Teilzeit. Manche Tage mache ich Überstunden, andere Tage mache ich komplett frei, weil z.B. die Tagesmama ausfällt. Ich tracke meine Arbeitszeit nicht, aber komme selten über 7 Stunden am Tag.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Ich liebe meine Flexibilität. In meiner Angestelltenzeit habe ich nach meiner Elternzeit auch für ein paar Monate in Teilzeit gearbeitet. Ich kann mich da sehr gut auf das absolut Wesentliche konzentrieren. Leider sind dann weniger Kaffeeklatschrunden möglich und irgendwie gehört das ja zum Job dazu.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir vor allem, dass Teilzeit nicht als „Arbeit nur die Hälfte“ angesehen wird. In sehr vielen Fällen arbeiten diese Menschen inhaltlich Vollzeit. (Und wer daran zweifelt, arbeitet vielleicht in der Vollzeit auch deutlich mehr als 40 Stunden.)
Die Anerkennung der Teilzeitkräfte von der Gesellschaft als tragende Säulen wünsche ich mir auch, denn die Leute haben IMMER einen sehr guten Grund dafür die Lohnarbeitszeit zu kürzen. Meist arbeiten sie danach weiter. Ohne Lohn.
Katrin Fuchs

Katrin Fuchs ist feministische Coachin und Beraterin für lebensphasenorientierte Vereinbarkeit.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Mein Leben ist zu bunt, als dass ich mir vorstellen könnte, jemals wieder einen Job in Vollzeit zu machen. Teilzeit ermöglicht mir Flexibilität.
Ich kann intensive Arbeitsphasen ermöglichen aber auch wieder mehr Zeit für mich reservieren, wenn ich das brauche – z.B. in den Schulferien.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Ich habe verschiedene Erfahrungen gemacht. Von sehr guten, in denen das TZ-Pensum mit realistischen Erwartungen und guter Unterstützung möglich war.
Aber ich habe auch erlebt, dass ich in TZ einen VZ-Job machen sollte. Da ich in dieser Rolle keine Vertretung hatte, war mein Kopf eigentlich die ganze Zeit „on“ obwohl ich eigentlich nur 60% angestellt war. Das war sehr ungut und ich habe diese Stelle dann auch wieder verlassen.
Nun starte ich wieder neu in eine TZ-Rolle neben meiner Selbständigkeit in einem sehr modernen und offenen Unternehmen, das ich auch schon sehr gut kenne.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich dort allen Anforderungen (auch meinen eigenen) sehr gut gerecht werden kann und freue mich sehr auf diese neue Herausforderung, nachdem ich nun über zwei Jahre vollselbständig war.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir, dass wir uns vom Begriff der Vollzeit lösen, denn er wertet in meinen Augen TZ ab.
Am Ende ist es in sehr vielen Tätigkeiten nicht entscheidend, wieviel Zeit wir dafür aufwenden. Wir sprechen so viel über den Zeitfaktor und er steht oftmals noch über dem Leistungsfaktor.
Ich habe in meinem Leben schon so viele VZ-Tätige gesehen, die nicht produktiv waren und so viele TZ-Tätige, die unglaublich viel geschaffen haben.
Dennoch ist TZ bei Beförderungen und in unserem allgemeinen Diskurs immer noch ein Defizit. Das muss sich ändern, denn es bildet nicht das ab, worum es eigentlich geht: Leistung – wirtschaftlich und gesellschaftlich – und auch den Leistungserhalt.
Und diese Leistung findet eben nicht komplett am Arbeitsplatz statt, sondern oft auch Zuhause oder in unserer Gesellschaft.
Johanna Fink

Johanna Fink ist Trainerin, Coachin, Beraterin, Buchautorin und Mitgründer von TEILZEIT.TALENTE.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich, Johanna?
Die Chance als Führungskraft in Teilzeit zu arbeiten, hat es mir ermöglicht, meine Karriere auch während der heißen Familienphase mit zwei Kleinkindern voranzutreiben. Ich hatte nie das Gefühl mich entscheiden zu müssen – ein Privileg, wie ich heute weiß.
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Eigentlich nur Gute. Ich bin in meiner ersten Schwangerschaft zur Führungskraft befördert worden und konnte dann direkt in vollzeitnaher Teilzeit einsteigen. Dadurch dass mein Partner ebenfalls Arbeitsstunden reduziert hatte, hat sich ein gutes Gleichgewicht zwischen Familien- und Berufsleben entwickelt.
Richtig schwierig wurde es tatsächlich nur in der Pandemie – hier haben sich zwei Kleinkinder zu Hause und zwei Menschen im Homeoffice als eine eher ungute Kombination erwiesen. Schlussendlich ist diese Erfahrung aber ausschlaggebend dafür gewesen, dass die TEILZEIT.TALENTE gegründet habe.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eine Selbstverständlichkeit ist und Unternehmen Mitarbeitende vor allem nach Kompetenz und Potenzial auswählen. Klar spielt Verfügbarkeit auch eine Rolle – sie sollte aber nicht das einzige ausschlaggebende Kriterium sein.
Wenn ich als Unternehmen eine oder einen tolle Mitarbeiter:in beispielsweise auch während der Familienphase oder einer Weiterbildung weiter fördern möchte, ist meiner Erfahrung nach die wichtigste Frage nach dem „Wie kann es gehen.?“ Es gibt heute so viele tolle Modelle, die Führung und Karriere in Teilzeit möglich machen.
Moritz Orendt

Moritz Orendt ist Geschäftsführer des Weiterbildungsträgers TOPS München-Berlin e.V., Projektkoordinator von Kunterbunte Inklusion e.V. und Mitgründer von TEILZEIT.TALENTE.
Welche Rolle spielt Teilzeit für dich?
Das Leben bietet so viel mehr als die Tätigkeiten, für die ich Geld bekomme. Ein offensichtliches Beispiel dafür: Die Beziehungen zu meinen Kindern.
Ich möchte mein Leben nicht nur um meinen Job bauen und viele wirklich wichtige Dinge in Randzeiten des Alltags verdrängen.
Teilzeit ermöglich mir, ein vielfältiges und pralles Leben zu führen!
Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Alle, die jenseits der Vollzeitnorm arbeiten, zahlen dafür einen Preis. Das habe ich gemerkt, als ich nach meiner Solo-Selbstständigkeit im Online-Marketing einen Teilzeitjob gesucht habe. Die guten Jobangebote in Teilzeit musste ich wirklich mit der Lupe suchen. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich die TEILZEIT.TALENTE Job-Plattform gestartet.
Was wünscht du dir in Bezug auf das Thema?
Ich wünsche mir mehr Unternehmen, die Teilzeit nicht nur als Notnagel begreifen, wenn sich niemand in Vollzeit findet.


